Rio Grande CL - Ushuaia

Samstag, 6. Februar 2010

Rio Grande - Radman (Grenze)

Nach einer etwas unangenehmen Nacht, da ich im Schlafsack geschwitzt und ohne gefroren hatte, kochte ich erstmal Porridge. Er wurde langsam aber sicher gut ;-) Danach packte ich meine Sachen zusammen. Vor dem Haus sprach mich der amerikanische Besitzer (?) der Lodge an. Er kannte den Konstrukteur meines Bob-Anhängers und hatte einen Teil der Carretera Austral auch schon zweimal mit dem Velo gemacht. Er bestätigte mir, dass es möglich ist die Grenze in Radman offiziell zu überqueren. Es gab da nur ein kleines Problem: Einen hüfttiefen Fluss. Und dieser hätte keine Brücke. Davon wusste ich bis jetzt nichts. Aber die Alternative wäre gewesen um zu kehren und das kam auch nicht in Frage. Mit einem etwas mulmigen Gefühl machte ich mich auf den Weg, den er mir auch beschrieb: Bei der Polizeikontrolle in Guanaco Pampa links und dann nochmals links. Und dem war auch so.

Nach gut 30km erreichte ich die Chilenische Grenzkontrolle und erledige die Formalitäten. Soviele schienen hier nicht durchzukommen… Jedenfalls fanden die Formalitäten mehr oder weniger im Wohnzimmer des Beamten statt. Bis jetzt war vom Fluss nichts zu sehen. Ich fuhr weiter und da war er, der Fluss. Und er war breit (10-15m) und knapp Hüfttief. Durchfahren unmöglich. Er war wahrscheinlich im Moment speziell tief, da es anscheinend die letzten zwei Wochen in dieser Region geregnet hatte… Ich ging dem Fluss entlang und suchte eine gute Stelle für eine Querung zu Fuss. Eine wirklich gute Stelle gab es aber nicht. Zudem war es kalt (etwa 6C) und es windete. Nicht wirklich gute Bedingungen um in Badehosen mehrfach durch einen eiskalten Fluss zu waten… Da aber weit und breit niemand zu sehen war, wäre die einzige Alternative gewese wieder umzukehren. Das wollte ich aber auch nicht. Und so begann ich mein Velo zu entladen.

In diesem Moment machte sich ein plötzlich aufgetauchtes SUV an der anderen Flussseite daran den Fluss zu kehren. Ich belud mein Velo sofort wieder und machte mich auf den Weg in Richtung dieses Fahrzeuges. Dieses war in der Zwischenzeit in der Mitte des Flusses stecken geblieben… Ihr Pech war aber mein Glück, denn nun tauchte ein Fahrzeug der Argentischen Grenzwache auf, um das Auto wieder aus dem Fluss zu ziehen. Kaum waren beide auf meiner Seite des Flusses angekommen, fragte ich den argentinischen Zöllner, ob er mich und mein Velo auf die andere Seite transportieren könnte, was er, zu meiner grossen Erleichterung, bejahte. Zuerst musste er aber das SUV etwas den Hang hinauf ziehen, damit es schräg stand. Unzählige Liter Wasser ergossen sich aus der Auspuffanlage… Danach transportierte er mich auf die andere Flussseite. Geschafft!

Nach den Zollformalitäten wollte ich eigentlich weiterfahren. Ich war aber immer noch durchfroren und zudem hatte es in der Zwischenzeit zu regnen begonnen. Zuerst wartete ich etwas im Zollhaus. Nach fast einer Stunde regnete es noch immer und es wurde auch langsam aber sicher Abend. Der eine Zöllner fragte mich, ob ich hier Campieren wollte und zeigte mir einen Platz. Zuerst freue ich mich sehr, bis ich realisiere, dass dieser genau neben dem Auspuff des lokalen Generators lag! Ich fragte nach einem anderen Platz und bekam einen hinter den Gebäuden zugewiesen. Es regnete und windete noch immer und war kalt. Aber wenigstens konnte ich in meinem in der Zwischenzeit aufgestellten Zelt mein Mittagessen am früheren Abend essen. Im Zollhaus war dies nicht möglich, da es dort eine grosse Tafel hatte, was man alles nicht einführen durfte. Und darauf stand so ziemlich mein Mittagessen :-) . Danach legte ich mich etwas hin.

Ein paar Stunden später, es regnete noch immer, überlegte ich hin und her, ob ich noch was kochen sollte. Schliesslich entschied ich mich dafür, obwohl ich wieder in den Regen raus und in die Nähe des Generators musste und die “Küche” “nur” aus einem einfachen Schopf bestand. Aber immerhin war es mehr oder weniger trocken dort. Es gab ein fertig Tomaten-Risotto mit ein paar zusätzlichen und natürlich auch illegalen getrockneten Tomaten. Die ebenfalls illegale Gurke lies ich weg :-) . Ein paar der Zöllner schauten kurz vorbei, da sie einen Topf aus dem Gebäude brauchten. Ich hoffte schon, dass sie mich noch auf einen Kaffee oder so in die warme Stube einladen würden, aber dies war leider nicht der Fall. Ich überlegte mir, ob ich mich darüber aufregen sollte oder ob ich dankbar sein sollte, dass ich wenigstens hier zelten darf und einen Platz zum Kochen hatte. Dabei ging mir durch den Kopf, wie das wohl an der Schweizer Grenze aussehen würde und entschied mich für Dankbarkeit. Aber es fiel mir schwer… Und es regnete noch immer...

Wetter: Stark bewölkt, dann Regen, Wind aus Ost

Strasse: Schotter, leicht wellig

Statistik: T: 2h59, D: 39km, M: 40.1km/h, ¢13.1km/h, dH: na/na

Unterkunft: Campieren bei Zollstation

 

Sonntag, 7. Februar 2010

Radman (Grenze) - Rio Grande AR

Es hatte die ganze Nacht mehr oder weniger durchgeregnet. Am Morgen hörte der Regen dann aber mehr oder weniger auf und ich packte mein Zelt zusammen. Zudem hatte auch der Wind etwas gedreht. Gestern kam er aus Osten (!) und ich hatte somit Gegenwind. Heute kam er wieder wie gewohnt aus Westen und ich hatte mehr oder weniger Rückenwind. Aber auch der Zöllner konnte es sich nicht verkneifen mir zu sagen, dass dies nur “wenig” Wind sei… Ich glaubte es ja, aber dies als Gegenwind ist immer noch mühsam!! Aber für den grössten Teil der Strecke bis an die Küste hatte ich ja Rückenwind :-) . Dafür war die Schotterpiste durch den Dauerregen stark aufgeweicht und es hatte ziemlich lange Wellblechstücke. Aber man kann nicht alles haben. Auf einem Teilstück hatte ich wieder Seiten- und Gegenwind. Fahren war hier nicht mehr möglich und ich musste schieben, bis die Piste wieder die Richtung wechselte. Auf der ganzen Strecke gab es keinen Windschutz und ich konnte deshalb nicht wirklich anhalten, um etwas zu essen.

Nach fast 70km erreichte ich die asphaltierte Nationalstrasse 3. Der Weg ins 13km entfernte Rio Grande drehte wieder auf Norden und ich bekam die volle Breitseite des Windes zu spüren. Er war so stark, dass an Fahren nicht mehr zu denken war und auch schieben war sehr schwierig. Einige Male riss es mir das Velo buchstäblich aus den Händen und ich überlegte mir, ob ich ein Auto anhalten sollte. Da die Strasse aber nach gut 5km wieder nach Osten drehte, entschied ich durch zu beissen und zu schieben. Kurz vor erreichen dieser Kurve hielt dann ein Lieferwagen neben mir an und offerierte mir mich mitzunehmen. Aber nachdem ich schon die Arbeit hatte, wollte ich auch den Lohn, sprich mit Rückenwind in Rio Grande einfahren und lehnte dankend ab. Der Rückenwind kam dann auch tatsächlich und ist so stark, dass ich fast nicht anhalten konnte um ein Foto zu machen.

Glücklich aber müde und hungrig (seit dem Morgenessen gab es nur zwei Getreideriegel und Wasser) erreichte ich schliesslich Rio Grande. Und ich fragte mich ernsthaft, ob ich mir solchen Wind noch für 200+km antun sollte…

Wetter: Bedeckt, sehr windig (W), 13°C

Strasse: Schotterpiste bis kurz Rio Grande

Statistik: T: 5h31, D: 85.8km, M: 54.8km/h, ¢15.4km/h, dH: 641m/768m

Unterkunft: Hostel Argentino, Dormitorio 50AR
+ Küche
+ Wifi
+ Zentral gelegen
- Schnarchende Mitbewohner

 

Montag, 8. Februar 2010

Rio Grande

Heute war ein Ruhetag. Kleider waschen, Blog aktualisieren, Einkaufen, Essen, etc.

Wetter: Sonnig, leicher Wind

 

Dienstag, 9. Februar 2010

Rio Grande AR - Tolhuim

Für heute wurden wieder stärkere Winde vorhergesagt (50km/h) und aus NW. Bei der Fahrt aus der Stadt raus, hatte ich den auch mittleren Gegenwind. Fahren war aber noch gut möglich. Kaum drehte die Strasse aber auf Süd, hatte ich wunderbaren Rückenwind. Ich versuchte möglichst schnell und möglichst weit zu fahren, bevor der Wind wieder drehen würde. So fuhr ich fast 90km bis zu meiner ersten grösseren Pause, mein Mittagessen.

Und was ich vorher nicht für möglich hielt, wurde Realität: Ich erreichte noch am selben Tag Tolhuim und verköstigte mich in der lokalen Öffnet externen Link in neuem FensterPanaderia. Noch etwas mehr als 100km!

Wetter: Wechselhaft, mittlerer Wind aus NW, 18°C

Strasse: Asphalt, sehr gut fahrbar

Statistik: T: 6h03, D: 116.9km, M: 57.3km/h, ¢19.3km/h, dH: 544m/487m

Unterkunft: Camping Hain, 20 AR/Site
+ Gedeckter Platz für Zelt (klein)
+ Gedeckte Kochgelegenheit
+ Warme Dusche
- Kein Internet

 

Mittwoch, 10. Februar 2010

Tolhuim

Weil das Wetter heute nicht so gut war und ich noch viel Zeit hatte, blieb ich heute in Tolhuim und schlug mir in der Panaderia den Magen voll :-). Am Abend gab es dafür einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Wetter: Regnerisch und Windig

 

Donnerstag, 11. Februar 2010

Tolhuim - Laguna Escondida

Weil es zuerst ziemlich stark windete und nachher der Platzwart zum Bezahlen nicht auffindbar war, kam ich erst um 12 Uhr in Tolhuim weg. Die Fahrt entlang des Sees war ziemlich schön und da es nachher noch über einen Pass geht, enschied ich mich an der Laguna Escondida zu campieren. Die Hosteria war leider geschlossen.

Wetter: Wechselhaft, z.T. Windig

Strasse: Asphalt

Statistik: T: 3h45, D: 50.8km, M: 36.6km/h, ¢13.5km/h, dH: 367m/331m

Unterkunft: Wildes Campieren

 

Freitag, 12. Februar 2010

Laguna Escondida - Ushuaia

Von der Laguna ging es auf einer gut fahrbaren Asphaltstrasse aufwärts zum Passo Garibaldi. Es war so warm, dass ich auf kurze Bikekleider wechselte. Auf dem Passo wartete ein Rudel Touristen. Alles was sich bewegte wurde geknipst.

Danach ging es rasant ins Tal hinunter um nachher wieder langsam zu steigen. Es ging durch eine wunderschöne Berglandschaft. Und zum Schluss hinunter Richtung Ushuaia. Unterwegs traf ich noch Jan aus Holland (63) und Rafael aus Polen. Zusammen fuhren wir in Ushuaia ein.

Das war es also. Eine interessante Zeit ging wenig spektakulär zu Ende. Ich war sehr froh, dass ich ohne grössere Probleme über die mehr als 2'600km gekommen war.

Wetter: Sonnig, ca 19°C

Strasse: Asphalt

Statistik: T: 3h31, D: 58.9km, M: 57.7km/h, ¢16.5km/h, dH: 768m/861m

Unterkunft: Öffnet externen Link in neuem FensterHostel Antarctica, 60 AR/DM
+ Küche
+ Wifi
- Etwas kleine Zimmer