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Etappen:
Luzern - Rom
Rom - Napoli
Stromboli
Stromboli - Milazzo
Milazzo - Cefalu
Cefalu - Catania
Catania - Siracusa
Catania - Nicolosi
Nicolosi - Etna
Nicolosi - Taormina
Taormina - St. Alessio Siculo
St. Alessio Siculo - Messina
Samstag, 3. Oktober 1998
(Luzern-Rom)
Abfahrt um 21.59 Uhr im Bahnhof
Ebikon (bei Luzern, Schweiz) nach Schlussspurt im Fahrrad-auseinandernehmen-und-in-Sack-verpacken.
In Zug dann Zugwechsel (kein Scherz! Der Ort heisst
wirklich so): Liegewagen. Dank dem, dass wir für 4 Personen
ein 6er-Abteil reserviert haben, können wir die
Fahrräder problemlos verstauen. Ansonsten hätte
es wohl Probleme gegeben, da der Zug ziemlich voll ist.
Sonntag, 4. Oktober 1998
(Rom-Napoli)
Nach einer unruhigen Nacht, wie
immer im Zug, werden wir sanft mit den Worten "in fünf
Minuten werde ich das Bettzeug holen!" geweckt. Soeben
noch im Schlaf, sind wir also sofort wach.
Auch von Anklopfen hat der Liegewagenbegleiter noch
nie etwas gehört, was einige beim Anziehen "schmerzlich"
erfahren müssen. Eineinhalb Stunden später
kommen wir in Rom an. Als erstes versuchen Marco und
ich zwei Fahrkarten für unsere "Bici in Sacca" (Fahrrad
im Sack) zu bekommen. Dabei werden wir auf eine harte
Geduldsprobe gestellt, was aber, da wir viel Zeit haben,
nicht weiter tragisch ist. Der Ablauf hier im Einzelnen:
Frage: welcher Schalter (1 bis 20) ist der richtige?
Wir stellen uns mal in eine Schlange und warten (das
soll eh unsere Hauptbeschäftigung an diesem Tag
werden). Nach 15 bis 20 Minuten (!) werden wir doch
noch bedient. Doch wie zu erwarten war, kann uns der
Verkäufer 1 nicht weiterhelfen: er kenne eine solche
Fahrkarte nicht und wir sollten uns doch einmal an die
Information wenden. Na dann wollen wir mal.
Nach einigem Suchen, treffen wir auf einen Automaten,
der eine Nummer auf einem kleinen Zettel ausspuckt.
Das Problem ist nur: wir ziehen die Nummer 233 und die
momentan-bediente-Nummer ist die 220. Was das bedeutet,
ist uns auch sofort klar: warten. Also warten wir. Als
die 230 erscheint machen wir uns langsam bereit. Bei
der 233 spurten wir los. Doch wir kommen nicht weit,
denn zwei Sekunden später wechselt die Anzeige
auf 234 um dann gleich auf 235 weiter zu schalten. Da
die 235 eine Italienerin hat, die das System besser
kennt als wir, ist sie natürlich schneller. Überraschenderweise
werden wir nachher trotzdem noch bedient, obwohl unsere
Nummer bereits vorbei ist. Doch, oh Wunder, auch die
Verkäuferin 2 kann uns nicht helfen: zuerst meint
sie es sei gratis, um dann in ihren Unterlagen nachzuschlagen,
kurz eine Pause zu machen (Kaffee und so) und uns dann
zu sagen, dass wir uns doch nochmals an die Ticketschalter
wenden sollen.
Also ein weiterer Versuch. Diesmal entscheiden wir uns
für einen anderen Schalter. Auch dort heisst es
geduldig zu warten. Nachdem die Verkäuferin 3 ein
paar Kunden bedient hat und ein langes (!) Handygespräch
beendet hat, sind wir an der Reihe. Zuerst hat sie auch
nicht gross eine Ahnung, um uns dann, nach einiger Zeit,
an die Schalter 6, 7 oder 8 zu verweisen.
Eigentlich haben wir die Hoffnung schon fast aufgegeben
noch eine Fahrkarte für unsere Bikes zu erhalten, aber
dies ist immerhin das erste mal, dass wir konkret hören,
wohin wir uns wenden sollen. Und tatsächlich werden
wir bei Verkäufer 4 fündig. Er gibt uns die
langersehnten Fahrkarten für 5'000 Lire das Stück,
eigentlich sehr günstig. Nur sind in der Zwischenzeit
ca. 1 ½ Stunden vergangen.
Mit unserer neuesten Errungenschaft, die Fahrradfahrkarten,
und dem übrigen Gepäck können wir dann
den Zug nach Napoli besteigen. Nach einer kürzeren
Fahrt in einem wahrscheinlich bis auf den letzten Platz
besetzten Zug, erreichen wir Napoli.
Dort heisst es als erstes wieder die Fahrräder
zusammen zu bauen. Nach einem stärkenden Mittagessen
fahren wir dann zum Hafen. Und was müssen wir dort
wohl tun? Richtig, Fahrkarten für unsere Räder
organisieren. Diesmal geht es aber überraschend
schnell. Nach kurzer Wartezeit ist die Fähre dann
auch schon bereit, uns und unsere Räder aufzunehmen
- will heissen, wir können einsteigen.
Nach einem letzten lautstarken Familienstreit unter
Italienern setzt die Fähre Vittore Carpaccio der
SI.RE.MAR dann um 21.00 Uhr in Napoli ab. Wir sind nun
unterwegs nach Stromboli/Sizilien - endlich.

Montag, 5. Oktober 1998
(Ankunft auf Stromboli)
Nach einer unruhigen Nacht (das
Meer), kommt Stromboli um 4.00 Uhr in Sichtweite. Mehrere
kleinere Ausbrüche zeigen das vulkanische Wesen
dieser Insel schon von weitem. Spätestens hier
wird einem klar, wieso diese Insel auch den Übernamen
"Leuchtturm des Tyrrhenischen Meeres" hat.
Kurz nachdem die Fähre angelegt hat, werden die
Reisenden nach Stromboli von der Fähre "getrieben".
Fast alle Reisenden werden abgeholt, nur wir nicht;
Nino schläft wahrscheinlich noch. Trotzdem erreichen
wir das Hotel "Villaggio Stromboli", wir kennen den
Weg schliesslich schon von früheren Besuchen. Vordem
Hotel selbst werden wir für das frühe Aufstehen
mit einem schönen Sonnenaufgang entschädigt.
Nach einer kurzen Einkaufstour (Trinken, Essen), dem
Mittagessen und einer kleinen Siesta ziehen wir um 15.20
Uhr los Richtung Stromboligipfel. Eigentlich wäre
dies ja nur mit Führer erlaubt (offiziell), wir
haben uns aber entschieden ohne Führer zu gehen,
da wir schon ein paar mal oben waren. Für uns ist
aber klar, dass wir nicht oben übernachten werden,
da dies schlicht zu gefährlich wäre. Dies wurde
in letzter Zeit mehrfach bestätigt, als Personen
bei grösseren Ausbrüchen verletzt wurden.
Die Verletzungen holten sie sich meistens auf der Flucht,
einige hatten aber auch Verbrennungen von heissem Auswurfgestein
(Lava).
Nach einem beschwerlichen Aufstieg (Hitze v.a. im unteren
Bereich und schlechte Pfade) erreichen wir 1 ¾ Stunden
später den unteren Bereich des alten Kraters. Bereits
dort hat man einen fantastischen Blick hinüber
zu den zur Zeit aktiven Öffnungen. In der Umgebung
diese ersten Beobachtungsplatzes entdecken wir auch
neuere "Lavafladen", was und doch etwas beunruhigt und
auch aufmerksamer macht. Die anderen "Vulkanwanderer"
schenken den erst kürzlich ausgeworfenen Schlacken
keine Beachtung. Wahrscheinlich ist ihnen nicht bewusst
was das bedeutet, sonst würden sie wohl kaum hier
ihre Zelte aufstellen und Schlafsäcke auslegen.
Um auch von "oben" in den aktiven Bereich sehen zu können,
machen wir uns auf den Weg zum Pizzo. Oben kommen wir
uns vor wie auf dem Jahrmarkt: ca. 70 Leute, z.T. mit
Schlafsäcken, bevölkern den Gipfelbereich.
Ich werde den Verdacht auch hier nicht los, dass sie
sich der Gefahr nicht bewusst sind oder nicht bewusst
sein wollen.
Auf dem Weg zurück zu unserem prov. Lager, werden
wir von einem Führer gebeten nicht auf dem Vulkan
zu übernachten. Da wir dies ohnehin nicht vorhaben,
ist es kein Problem. In den folgenden Stunden widmen
wir uns vorwiegend dem Fotografieren. Dabei bekommen
wir einige schöne Ausbrüche zu sehen.
Um ca. 21.30 Uhr machen wir uns im Mondschein wieder
auf den Weg nach unten. Kein leichtes Unterfangen, da
uns die Schwerkraft zusätzlich nach unten treibt.
Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich den Weg einigermassen
kenne. Als "Neuling" wäre es wohl schwierig geworden.
Ca. um Mitternacht erreichen wir das Hotel wieder.

Dienstag, 6. Oktober 1998
Keine besonderen Vorkommnisse.
Wir erholten uns vom Vortag. Schlechtes Wetter mit Regen.

Mittwoch, 7. Oktober 1998
Immer noch schlechtes Wetter.

Donnerstag, 8. Oktober 1998
Am Nachmittag umrunden wir in
einem kleinen Boot die Insel, wegen hohem Wellengang
kann das Boot leider nicht in Ginostra anlegen. Aber
auch die Fahrt neben der Sciarra del Fuocco durch ist
sehr interessant.
Am Abend Marsch zu Labronzo, einige schöne Ausbrüche.
Ich wäre gerne nochmals nach oben gegangen, da
das Wetter aber nicht 100% gut ist, kann ich mich nicht
dazu motivieren.

Freitag, 9. Oktober 1998
Am Morgen packen und danach Fahrt
zum Hafen inkl. Pizza kaufen. Um 13.30 Uhr Abfahrt nach
Milazzo über Panarea, Salina, Lipari und Vulcano.
Unterwegs sehen wir Delphine. In Milazzo dann Suche
nach dem Campingplatz im Dunkeln. Gefunden nach Fragen.
Portier sieht aus wie Guildo Horn. Wir sind fast alleine
auf dem Zeltplatz.

Samstag, 10. Oktober 1998
(Milazzo - Cefalu)
Bereits vor 8.00 Uhr aufgestanden.
Da es in der Nacht geregnet hat, ist alles noch nass
-> zuerst trocknen lassen. Abfahrt erst nach 10.00 Uhr.
Das Wetter jetzt: stark bewölkt. In Milazzo und
den Vororten starker Verkehr z.T. Chaos. Wir haben uns
entschieden in umgekehrter Richtung zu fahren, als ursprünglich
geplant - will heissen zuerst nach Westen. Dadurch bleibt
uns ein 1'200 m hoher Pass erspart und wir können
uns zuerst etwas "einfahren". Die grösste Steigung
des Tages - 200 m - bringt mich auf jeden Fall ziemlich
ausser Puste.
Da es uns nicht nicht gelingt unterwegs die angestrebten
Camping telefonisch zu erreichen - wahrscheinlich geschlossen
- beschliessen wir den restlichen Weg zum nächsten
offenen Camping mit dem Zug zu absolvieren. Der letzte
Zug des Tages fährt in den Bahnhof von Brolo ein,
als wir diesen erreichen. Während wir so rasch
als möglich die Velos verladen, stellt uns der
Bahnhofvorstand die Fahrkarten aus. Hut ab vor dieser
Flexibilität - hätte ich wirklich nicht erwartet,
positive Überraschung.
Nach ca. 1 ½ Stunden Zugfahrt erreichen wir Cefalu.
Der dortige Campingplatz, besser die Campingplätze
sind tatsächlich offen.
Tagesleistung: ca. 80 km / ein paar 100 Höhenmeter.

Sonntag, 11. Oktober 1998
Die ganze Nacht Regen. Da es bis
am Mittag weiterregnet, beschliessen wir in Cefalu zu
bleiben. Als das Wetter am Nachmittag kurz bessert,
fahren wir mit dem Fahrrad nach Cefalu, um kurz beim
Bahnhof und beim Dom vorbeizusehen. Der Dom ist wirklich
sehenswert. Auch etwas einkaufen müssen wir. Kaum
sind wir zurück, beginnt es schon wieder zu regnen.
Tagesleistung: ca. 10 km ;-)

Montag, 12. Oktober 1998
(Cefalu - Termini Imerese - Catania)
Nachdem es auch die ganze Nacht
geregnet hat, packen wir am Morgen, in einer Regenpause,
alles zusammen. Um 8. 40 Uhr fahren wir dem Rad wieder
ab.
Kaum haben wir den Zeltplatz verlassen beginnt es ,
so eine Überraschung, wieder zu regnen. Obwohl
wir noch nichts gegessen haben, fahren wir bis Termini
Imerese durch (es regnet noch immer) und kommen dort
um ca. 10.00 Uhr ziemlich durchnässt an. Oh wunder,
nun scheint sogar die Sonne.
Um 12.30 Uhr nehmen wir den Zug nach Catania - vielleicht
ist dort das Wetter ja etwas freundlicher. Kurz vor
dem Einsteigen erfahren wir, dass der Zug unterwegs
geteilt wird. Der eine Teil fährt in das südlichere
Sizilien, der andere nach Catania. Die Frage ist nur,
welcher Teil fährt wohin? Wir entschliessen uns
dafür, dass wir den hinteren Teil nehmen müssen
- es bleibt uns auch gar nichts anderes übrig,
da in diesem Moment der Zug einfährt. Nun ist es
tatsächlich wieder einmal soweit, unser alter Bekannter
Murphy begegnet uns - wir haben falsch gepokert. Natürlich
fährt der vordere Teil des Zuges nach Catania.
Was das bedeutet ist uns auch sofort klar: Stress. Es
ist gar nicht so einfach zwei in TranZbag verpackte
Fahrräder und das übliche Gepäck innerhalb
kürzester Zeit an das andere Ende des Zuges zu
bringen. Aber dank der Mithilfe des sehr verständnisvollen
Zugpersonals klappt es tatsächlich. Vielen Dank!
Bis zum Zeitpunkt da der Zug getrennt wir, wissen wir
aber noch nicht sicher, ob wir im richtigen Teil sind.
Aber wir sind es tatsächlich.
Nachdem wir Termini Imerese mit Sonne verlassen haben,
begrüsst uns Catania um ca. 16.00 Uhr mit - richtig
- Regen. Zum Glück handelt es sich nur um ein kurzes
Gewitter, so dass wir uns bald auch die Suche nach dem
Camping Jonio machen können. Diesen finden wir
dann auch. Am Besten fährt man vom Bahnhof aus
dem Meer entlang Richtung Messina. Nach einer starken
Rampe muss man nach rechts abbiegen (ich glaube es hat
sogar einen Wegweiser unterwegs). Der Camping ist in
der Via Villini a Mare 2. Kaum sind wir dort angekommen,
beginnt es schon wieder zu regnen; das nächste
Gewitter. Dafür entschädigt uns dann ein wunderschöner
Regenbogen.
Tagesleistung: ca. 35 km mit dem
Fahrrad und viele km mehr mit dem Zug.

Dienstag, 13. Oktober 1998
(Catania-Siracusa)
Wir machen uns um ca. 9.00 Uhr
auf (ohne Gepäck) in Richtung Siracusa. Laut Schilder
sollten dies 60 km sein. Als erstes müssen wir
durch das Morgen-Verkehrsgewühl von Catania, was
einiges an Konzentration abverlangt. Auf jeden Fall
bekommt hier jeder Radfahrer sicher seinen Adrenalinkick.
Also merkt Euch: der richtige Kick gibt es nicht (nur)
beim Bungeespringen sondern beim Radfahren im morgendlichen
Verkehrsgewühl von Catania.
Kurz nach Catania verweist uns ein Schild auf eine Strasse,
die 20 m weiter dann als Autobahn deklariert wird, inkl.
einem Verbotsschild für Velofahrer. Da dies aber die
einzige Strasse ist, die weiterführt (die Übrigen
sind Sackgassen), müssen wir wohl oder übel
da drauf. Die Strasse ist denn auch ziemlich breit.
Die Höchstgeschwindigkeit wurde mittels Schildern
auf 50 km/h gesetzt, die meisten Autos fahren aber schneller
- so um die 100 km/h. Auf jeden Fall kommen wir ziemlich
rasch voran. Ich weiss bis jetzt (beim Schreiben dieser
Zeilen) nicht sicher, was für eine Strasse das
war. Unterwegs überholt uns sogar ein Polizeiauto
- ohne uns aber anzuhalten.
Nach ca. einer Stunde Höchstgeschwindigkeit mündet
die Strasse in eine etwas kleinere. Nach den Angaben
auf einem Schild sollen es nun noch 40 km bis Siracusa
sein. Dies macht uns doch etwas stutzig; wir sind wohl
kaum erst knappe 20 km gefahren. Da leider der Kilometerzähler
seit Cefalu defekt ist, können wir dies aber nicht
überprüfen. Uns bleibt aber nichts anderes übrig
als weiter zu fahren.
Die Strasse wird bald wieder breiter und die Zahl der
LKW's nimmt rapide zu. Nach etwa einer weiteren Stunde
beschliessen wir diese Strasse zu verlassen, da der
Belag ziemlich rau und die Luft sehr schlecht ist (LKW's).
Die weitere Fahrt führt uns vorwiegend an Raffinierien
vorbei, bis wir Siracusa endlich erreichen.
Nachdem wir im ersten Supermercato (kurz nach Stadtanfang)
eingekauft haben, fahren wir direkt (oder fast direkt)
über kleine Umwege, Treppen etc. zum Bahnhof. Dort
erwartet uns das nächste Theater.
Marco versucht Fahrkarten für unsere Räder zu bekommen.
Bis jetzt war das eigentlich in Sizilien (gar) kein
Problem - z.T. wurden unsere Räder sogar gratis
transportiert. Der richtige Preis wäre 5'000 Lire
pro Bicci in Sacca. Der Mann am Schalter meint nun aber
zuerst, dass gar keine Fahrräder transportiert
werden können, nach kurzer Zeit kostet es aber
dann plötzlich 10'000 Lire, weil die anderen Fahrkarten
in "Espresso-Zügen" nicht gültig seien. Da
dies so aber nicht stimmen kann interveniert Marco.
Nach weiteren 20 Minuten - konsultieren eines uralten
Buches und Anschreien der übrigen Angestellten
- besteht der Beamte darauf, dass wir je 10'000 Lire
zu bezahlen hätten, was wir dann auch tun (ist
ja auch nicht besonders viel).
Auf diesem Bahnhof treffen wir auch Wolfgang und Dirk
aus unserem nördlichen Nachbarland Deutschland.
Sie umrunden mit dem Fahrrad Sizilien in knapp vier
Wochen und betrachten dies als eine Bildungsreise. Ihr
nächstes Ziel ist auch Catania, aber mit dem Fahrrad
unverpackt im Zug, was dementsprechend schwieriger ist.
Da sie noch nicht wissen, auf welchen Camping sie wollen,
geben wir unseren an (Ionio), wo wir sie dann nach einer
87 (!) km langen Zugfahrt auch antreffen.
Tagesleistung: ca. 80 - 90 km
mit dem Fahrrad und 87 km mit dem Zug.
PS: Da wir nach der Fahrkartengeschichte
fast keine Zeit mehr hatten, machten wir nur noch eine
Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad auf der Halbinsel. Dabei
begann es - oh wunder - zu regnen.

Mittwoch, 14. Oktober 1998
(Catania-Nicolosi)
Heute heisst unser Ziel Nicolosi.
Nachdem alle Sachen inkl. Zelt wieder einmal richtig
trocken sind, fahren wir um 10.30 Uhr los. Wir versuchen
mit Hilfe der Beschilderung und der eigenen "Nase" das
Zentrum von Catania zu umfahren, was uns auch ziemlich
gut gelingt. Wir landen zuerst zwar nicht direkt in
Nicolosi, dafür aber in seinem Nachbardorf Pedara,
das auf etwa gleicher Höhe liegt. Nach einem letzten
kräftezehrenden Aufstieg zwischen Nicolosi und
dem Zeltplatz "Etna" erreichen wir diesen kurz nach
12.00 Uhr - wir haben also nur ca. 1½ Stunden gebraucht.
Wolfgang und Dirk sind bereits da; sie sind ja auch
einiges früher gestartet.
Am Nachmittag versuchen wir in Nicolosi einzukaufen
und ein paar Informationen einzuholen. Da die meisten
Geschäfte und Büros erst um 17.00 Uhr wieder
öffnen und die Einkaufsläden am Mittwoch Nachmittag
geschlossen sind ist dies ziemlich schwierig.
Am Abend gibt es dann aus dem Campingplatz-Restaurant
etwas Spaghetti, Salat und viel Brot. Das Wetter heute
war sehr gut!
Tagesleistung: ca. 30 km und 900
Höhenmeter

Donnerstag, 15. Oktober
1998 (Nicolosi-Etna-Nicolosi)
Kurz nach 8 Uhr fährt Marco
los, um in Nicolosi etwas zum Essen zu kaufen, da wir
gestern nichts mehr bekommen haben. Der Supermercato
sollte eigentlich um 8.15 Uhr öffnen, tut dies
aber erst um 8.30 Uhr.
Nachdem Marco wieder zurück ist nehmen wir um ca.
9.30 Uhr den ersten (!) Bus zum Rifugio Sapienza bzw.
der Talstation der Etna-Seilbahn. Dort erwartet uns
schon eine schöne Touristenschlange, die alle ans
selbe Ziel wollen - dem Etna.
An der Kasse müssen wir zuerst wieder an neue Kostendimensionen
gewöhnen: die Fahrt mit der Seilbahn zur Montagnola,
dann Jeep zu Torre del filosofo + Führer: 62'000
Lire pro Person. Das ist schon ziemlich viel. Uns bleibt
aber wohl nichts anderes übrig, schliesslich wollen
wir zum Etna.
Als wir bei Torre del filosofo ankommen sehen wir nirgendwo
einen Führer. Dann nehmen wir halt alleine den
dort beginnenden Weg unter die Füsse. Unterwegs
überholen wir einen älteren Mann, der sich
dann später als Führer entpuppt. Schon nach
kurzer Zeit versperrt uns ein Seil den Weg. Auf einer
daran befestigten Tafel steht, dass man doch bitte nicht
mehr weiter gehen soll. Dies fällt mir dann doch
ziemlich schwer, da man von diesem Punkt aus praktisch
nichts sieht. Zudem sind wir erst etwa knapp 50 m vom
Parkplatz der Jeeps entfernt. Zudem kann man natürlich
mir als passionierten Vulkanfan nicht das Wasser im
Munde zusammenlaufen lassen und mich dann hier stoppen
wollen. So kommt es, wie es kommen musste: wir gehen
weiter. Zuerst aber schauen wir, woher der Wind bläst
und wie sich der Vulkan verhält. Wie ich von einer
Reisegruppe vernehmen konnte, ist nicht weit von unserem
jetzigen Standort entfernt ein Lavastrom vorbeigeflossen.
Also nichts wie hin!
Auf der gleichen Höhe wie Torre del filosofo gehen
wir in Richtung des Lavastromes über diverse Spalten
und durch lose Lapili und finden ihn auch: er ist noch
warm. Ich wage es nicht ihn zu überschreiten, da
ich nicht irgendwo in heisse Schichten einbrechen möchte.
Dieser Lavastrom ist, wie ich später erfahre, nicht
etwa aus einer Spalte ausgetreten sondern durch Überlaufen
des Südostkraters entstanden. Dies ist auch der
Krater an dem einige leichtsinnige Touristen an diesem
Tag herumkraxeln.
Wieder zurück bei Torre del Filosofo essen wir
etwas zu Mittag und geniessen die Sonne. Meine schon
länger vorhandenen Kopfschmerzen werden stärker,
vielleicht ist es die Sonne, vielleicht aber auch die
Höhe (3000 m). Nach einiger Zeit beschliessen wir
wieder zur Bergstation zurückzukehren. Keiner der
Jeepfahrer will uns aber mitnehmen - Grund: sie seien
schon komplett von einer Gruppe ausgebucht. Nach längerer
Diskussion - auch zwischen den Fahrern selber - können
wir dann doch noch mit und geniessen zusätzlich
auf einem Halt das Panorama ins Valle del Bove: faszinierend!
Danach geht es zurück zur Bergstation Montagnola
und dann zum Zeltplatz.
Am Abend hoffe ich auf einen schönen Ausbruch.
Leider vergebens.

Freitag, 16. Oktober 1998
(Nicolosi-Taormina)
Um 10.30 Uhr fahren wir in Nicolosi
ab. Dirk und Wolfgang sind etwas früher gestartet.
Sie wollen heute mit der Bahn den Etna umfahren. Wir
sollen sie wieder in Taormina treffen. Kurz nach Mittag
treffen wir auf dem Campingplatz in Taormina ein. Zuerst
glauben wir, er sei geschlossen, doch dann winkt uns
ein einarmiger Mann hinein. Der Zeltplatz hat nur ein
*. Mehr hat er aber auch nicht verdient. Die Einrichtung
ist äussert spartanisch, aber die Aussicht ist
fantastisch. Trotzdem werden wir wahrscheinlich schon
morgen weiterziehen. Deshalb und da wir noch nichts
zu essen haben nehmen wir den Aufstieg nach Taormina
unter die Schuhe. Oben angekommen sehen wir praktisch
nur noch Touristen und das was die alle scheinbar wollen:
Souvenirstände. Den Geschäften nach fühlen
wir uns in St. Moritz oder ähnlich. Wir entschliessen
uns das griechische Theater anzuschauen, wenn wir schon
einmal hier sind.
Nach langer Suche finden wir doch noch einen Lebensmittelladen.
Hier gibt es halt praktisch nur Versace und Co. Die
Läden der Bewohner von Taormina befinden sich hinter
den Läden der Touristen, aber es gibt sie tatsächlich.
Beim "Abstieg" zum Zeltplatz erleben wir noch einen
wunderschönen Sonnenuntergang. Nach einer Riesenportion
Teigwaren-Bolognaise und ein paar Fotos geht der Abend
zu ende. Wolfgang und Dirk sind nicht eingetroffen.
Tagesleistung: ca. 50 km

Samstag, 16. Oktober 1998
(Taormina-S. Alessio Siculo)
Da uns der Zeltplatz und Taormina
selbst (zu viele Touristen) nicht so zusagt, fahren
wir heute nach S. Alessio Siculo mit dem Camping "La
focchetta".
Am Abend essen wir auswärts
fantastische Pizzen in einer kleinen Pizzeria Richtung
Santa Teresa di Riva. Der Name der Pizzeria fällt
mir leider nicht mehr ein.
Tagesleistung: lediglich 15 km

Sonntag, 17. Oktober 1998
(S. Alessio Siculo)
Ganzer Tag ausspannen und warten
bis Abend ist.

Montag, 18. Oktober 1998
(S. Alessio Siculo-Messina-…)
Um 6.15 Uhr aufstehen wegen Sonnenaufgang.
Danach packen, essen, zahlen und abfahren. Wir starten
extra genügend früh, um auf Pannen reagieren zu
können (Murphy und so).
Kurz nach dem Start ist es auch schon so weit. Mein
Hinterrad meldet: "keine Luft". Deshalb Stopp und Schlauchwechseln
(das erste Mal in Sizilien). Beim Aufpumpen muss ich
erkennen, dass meine Pumpe defekt ist. Zum Glück
funktioniert die von Marco noch. Einige Zeit und km
später hat mein Hinterrad erneut fast keine Luft
mehr. Anscheinend steckt noch irgendwo ein übersehener
Fremdkörper im Mantel. Ich pumpe nach.
Nach dem wir kurz vor Messina eingekauft haben, ist
der Schlauch endgültig leer und ich bringe mit
Marcos Pumpe keine Luft mehr rein, evtl. ist jetzt auch
diese defekt. Bei einer Opel-Garage pumpen wir nochmals
auf. Doch kurz nachher ist praktisch die ganze Luft
wieder draussen. Wir entschliessen uns bei der nächsten
Tankstelle (weil es da eine Pumpe hat) den Schlauch
zu reparieren. Dabei entdecken wir, dass noch immer
ein Fremdkörper im Mantel steckt - selber schuld.
Man sollte halt besser kontrollieren. Anscheinend ist
es sehr selten in Sizilien, dass jemand bei einer Tankstelle
seinen Fahrradschlauch repariert. Auf jeden Fall schaut
man uns staunend zu.
Der reparierte Schlauch hält dann bis Messina Centrale.
Dort besteigen wir etwa zwei Stunden später den
Zug. In unserem Abteil sind bereits zwei Schweizer mit
- Staune! - zwei TranzBags, was zu einem ziemlichen
Platzproblem führt.
Zwischen Messina und St. Giovanni wird der Zug auf eine
Fähre verladen - ein spezielles Erlebnis. Danach
fährt der Zug weiter Richtung Norden. Zum Glück
haben wir unseren Platz reserviert, denn der Zug ist
ziemlich voll.
Tagesleistung ca. 40 km

Dienstag, 20. Oktober 1998
Am Morgen Ankunft in Milano.
Umsteigen in den Zug nach Luzern (CH). Im Tessin noch
schönstes Herbstwetter, in Göschenen dann
tiefhängende Wolken. Das wäre es dann wohl
gewesen. Eine wunderbare Zeit ist vorbei. Mit viel Sonne,
aber auch mit viel Regen. Auf jeden Fall hat es sich
gelohnt. Etna und Stromboli, ich komme wieder!!

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