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Norwegen per Rad
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Home: Norwegen: Reisebericht    
Hardangervidda-Tour

Ustaoset -
- Rauhellern
Rauhellern - Marbu
Marbu - Kalhovd
Kalhovd -
- Rjukan

Gaustatoppen bei Rjukan by S. Küttel

Ustaoset -

Dienstag, 25.März 2003

Heute ist es soweit - die Tour beginnt. Nach einem kräftigenden Frühstück ziehen wir bei Sonnenschein los. Das Tagesziel ist offen, da wir uns erstmal an das Marschieren mit Pulka gewöhnen wollen und auch gar nicht wissen wie schnell wir mit Pulkas und Skies vorwärts kommen. Als erstes geht es über den zugefrorenen Ustevatn und danach nehmen wir die erste kräftige Steigung unter die Bretter. Geradeaus und aufwärts sind die Pulkas ziemlich Linientreu und wir kommen ohne grössere Probleme vorwärts. Bei der Abfahrt Richtung Tuva-Hütte, zeigt sich dann aber, dass Abfahrten mit der Pulka geübt sein wollen. Sie legt sich gerne quer oder überholt einem; mit den entsprechenden Folgen... Aber wie heisst es so schön: Übung macht den Meister bzw. die Meisterin. Und Zeit zum Üben haben wir auf den über 100 km mehr als genug ;-)
Bei der Tuva-Hütte machen wir erstmal Mittag-Pause, stärken uns ein wenig und schauen einem Hundeschlittengespann beim Wendemanöver zu. Hat schon einen Vorteil, wenn man "nur" auf dem Schlitten stehen und ihn nicht noch selbst ziehen muss... Auch ein paar Skite-Skisurfer mit Pulka sind heftig am Üben. Noch ist der Wind etwas zu schwach, aber nach einigen Anfangsschwierigkeiten entschwinden sie schon bald unserem Blickfeld.
Nach einer stärkenden Heissen Schokolade zieht es auch uns wieder weiter. Langsam verschwindet die Sonne hinter Wolken und ein eintöniges Weiss mach sich breit. Bei solchem Licht die Distanzen abzuschätzen und sich zu orientieren ist ziemlich schwierig. Dank der hervorragenden Wegmarkierung wissen wir wenigstens wo's lang geht. Langsam aber sicher wird es einsamer. Niemand ist mehr unterwegs und nur selten treffen wir auf ein zugeschneites Haus.
Nach einigen Kilometern beschliessen wir genug geleistet zu haben für den ersten Tag und suchen uns einen Biwackplatz. Platz hat es ungemein viel, nur ist es meist ziemlich ungeschützt. Auf der Rückseite eines kleinen Hügels beginnen wir das Fundament für das Zelt zu graben. Campieren im Winter hat Vor- und Nachteile gegenüber der Sommerversion. Als Vorteilhaft erweist sich, dass man schiefe Biwackplätze durch graben flach hinkriegt; der Nachteil ist, dass dies ungemein Schweisstreibend ist und man zudem bei jedem Schritt tief im Schnee einsinkt, was auch nicht gerade Energieesparend ist... Apropo Energie: Damit wir was Warmes zu Essen haben, brauchen wir Wasser. Der Wintervorteil hier: man steht sozusagen darin. Der Nachteil: man braucht Unmengen Benzin und Zeit bis aus dem Schnee wirklich auch eine brauchbare Menge Wasser entsteht. Dies sollte man bei der Zeitplanung unbedingt beachten; ansonsten gibt es halt erst um Mitternacht etwas warmes...
Wie auch immer - am Schluss steht das Zelt und unsere Mägen sind auch wieder gefüllt. Und in den dicken Schlafsäcken ist es schön warm, eigentlich schon fast heiss... Mal schauen wie sich so eine Norwegische Winternacht draussen anfühlt.

Tagesleistung: ca. 15 km

Wetter: Zuerst Sonne, dann immer stärker bewölkt.

 

- Rauhellern

Mittwoch, 26.März 2003

Norwegen im Winter = Kalt und Eis, oder nicht? Anscheinend doch nicht nur. Richtig kalt war es in der Nacht nicht und das Klima im Zelt erinnert mehr an einen tropischen Regenwald... Was soll's. Nach einem kräftigendem Frühstück mit in heissem Wasser angerührter heisser Schokolade (oder was auch immer das war), packen wir unsere sieben Sachen zusammen und ziehen los.
Die Landschaft präsentiert sich in ihrem schönsten Weiss in Weiss und das einzige Geräusch ist das schleifen unserer fellbezogenen Skiern. Nach einigen kleineren Hügeln kommt Heinsaeter in Sicht. In der dortigen Hütte genehmigen wir uns etwas Süsses ziehen dann aber bald weiter. Es ist erstaunlich warm heute und der Schnee zerfliesst beinahe unter unseren Fellen. Zudem frischt der Wind merklich auf. Da wir heute unbedingt noch die heute die Hütte in Rauhellern erreichen wollen, bleibt nicht viel Zeit für lange Pausen.
Die Kilometer ziehen sich dahin und der Wind nimmt weiter zu. Endlich erreichen wir den See, an dem die Hütte liegt; leider aber am anderen Ende. Na, dann heisst es halt weiter ziehen...
Endlich erreichen wir die Hütte in Rauhellern. So sieht also eine Berghütte in Norwegen aus; macht einem 3 Stern-Hotel durchaus Konkurrenz (ok, bei den Preisen auch). Ausgehungert bestellen wir uns erst mal eine grosse Portion Suppe. Danach beziehen wir unser Massenlager-Zimmer und stellen uns unter die Dusche. Tut das Gut!
Beim 3-Gang Nachtessen (jawohl!) merken wir dann, dass es wohl doch etwas viel Suppe war. Jedenfalls müssen wir zviel des Essens stehen lassen, damit wir nicht platzen. Norwegen scheinen sich andere Mengen gewohnt zu sein.
Müde ziehen wir uns in die Betten zurück und lassen den Wind um die Hütte pfeiffen. So ein richtiges Bett ist schon schön (und dies nach nur einer Nacht draussen...).

Tagesleistung: ca. 20 km

Wetter: bedeckt, windig und ziemlich warm.

 

Rauhellern - Marbu

Donnerstag, 27.März 2003

Das Wetter ist noch nicht wirklich besser geworden. Wenigstens windet es nicht mehr stark, dafür ist es immer noch bedeckt. Nachdem wir uns durchs Frühstückbuffet (!) gegessen haben, ziehen wir los.
Erstmal führt der Weg über den gefrorenen See um sich dann über kleinere und grössere Hügel weiter Richtung Marbu fortzusetzen. Viel gibt es ansonsten eigentlich nicht zu sagen, da sich die Landschaft mal wieder Weiss in Weiss präsentiert... Kurz vor Marbu reisst die Wolkendecke auf und blauer Himmel und die Sonne zeigen sich. Was für eine Wohltat für's Auge! Und auch für's Herz. Gutgelaunt erreichen wir die Selbstbewirtungshütte von Marbu (die Bewirtete ist noch nicht offen); und diese erweist sich als ein Traum. Wir haben eine kleine Hütte für uns alleine mit richtigen Betten und einem Holzofen. Was braucht man mehr? Wir kochen uns ein leckeres Mahl, geniessen den Sonnenuntergang und staunen über das schwache Polarlicht. Oder ist alles nur Einbildung? Beim Polarlicht mag dies durchaus sein... Der Rest ist aber völlig real, ein Traum eben. Gute Nacht.

Tagesleistung: ca. 20 km

Wetter: stark bewölkt am Tag, reisst auf am Abend.

 

Marbu - Kalhovd

Freitag, 28.März 2003

Werden durch die Sonne geweckt. Das Wetter hat gekehrt; ein praktisch wolkenloser, blauer Himmel weckt die Lebensgeister und motiviert zu neuen Taten. Die Nacht scheint ziemlich kalt gewesen zu sein. Überall hat sich Raureif festgesetzt und die tiefste Temperatur die mein elektronischer Thermometer aufgezeichnet hat, bevor er kältebedingt seinen Geist aufgab, war -18°C...
Die ersten Kilometer unserer heutigen Strecke führt über den Stausee und ist dem entsprechend flach ;-). Aber irgendwie komme ich heute nicht vom Fleck. Ok, man sollte vielleicht auch nicht ständig anhalten und fotografieren. Jedenfalls sind mir die anderen Beiden schon nach relativ kurzer Zeit mehrere Hundert Metere voraus...
Dank dem, dass Sie am Ende des Sees Mittagsrast einlegen, hole ich sie doch noch ein. Nach einer steilen Steigung (speziell steil, wenn einem noch eine Pulka nach hinten zieht), geht es weiter über eine Hochebene Richtung Kalhovd. Das Wetter scheint sich schon wieder anderst entschieden zu haben. Jedenfalls überziehen wieder Wolken den Himmel und die Sonne verabschiedet sich. Eine kurze Abfahrt führt uns dann wieder aus dem Traum zurück in die Zivilisation; zur Hütte von Kalhovd. Dort hat es erheblich mehr Menschen. Schon nach kurzer Zeit vermissen wir die Hütte von Marbu, auch wenn es dort keine Dusche gab...

Tagesleistung: ca. 20 km

Wetter: Sehr kalte Nacht, Sonne am Morgen, stark bewölkt am Nachmittag.

 

Kalhovd -

Samstag, 29.März 2003

Gemäss dem Barometer meiner Uhr ist in der Nacht der Druck ziemlich stark gesunken. Da es aber draussen lediglich stark bewölkt ist aber sonst eigentlich nicht viel anders als am Abend zuvor, mache ich mir keine weiteren Gedanken.
So ziehen wir dann los; unseres heutiges Ziel heisst Helberghytta, wiederum eine selbstbewirtete Hütte. Schon nach kurzer Zeit frischt der Wind merklich auf. Er entwickelt sich langsam aber sicher zu einem Sturm und ist z.T. so stark, dass wir abwärts gegen den Wind mit den Stöcken angeben müssen, während wir mit Rückenwind kleinere Steigungen hinaufgeschoben werden. Wie schon gesagt, sind die Winterpfade bisher sehr gut markiert, aber gerade jetzt wo wir sie wirklich brauchen würden lässt die Qualität der Markierungen merklich nach (Murphy lässt Grüssen). Nach dem Überwinden einer Talsperre setzt ein weritabler Schneesturm ein. Von der Wegmarkierung ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Auch sonst ist die Sichtweite auf wenige Meter zusammen geschrumpft. Wir entschliessen uns das Aussenzelt aufzustellen, den Schneesturm abzuwarten und uns mit heissem Tee wieder aufzuwärmen. Die Frage ist halt nur, ob dies ein kurzzeitiges Ereigniss ist oder ob wir hier festsitzen...
Nach vielleicht einer halben Stunde lässt der Wind etwas nach und wir beschliessen weiter zu ziehen. Leider haben wir den Weg (oder jedenfalls die Markierungen) definitiv verloren und wir orientieren uns nun nur noch mit GPS und Karte. Damit führt unser Weg anfangs einem Hügelzug entlang, um diesen dann später auch zu überqueren. Diese Überquerung wird dann zum mühsamsten Teil des Tages. Normalerweise ist das Gehen mit fellbespannten Skiern mehr ein Gleiten und man kommt einigermassen schnell voran. Nun hat sich aber leider im Lee des Berges sehr leichter und klebriger Treibschnee angesammelt, der sich auf den Fellen zu dicken Schollen verbindet - ein Gleiten ist damit nicht mehr möglich. Wir kämpfen uns nur noch sehr langsam vorwärts und hoffen, dass es auf der anderen Bergseite besser aussieht. Und zum Glück werden wir wenigstens da nicht enttäuscht. Auch das Wetter bessert im Verlaufe des Nachmittags merklich und sogar die Sonne wagt sich nochmals heraus. Auch die Stimmung bessert sich und Freude und Zuversicht kommt auf. Doch als wir in dem Gebiet ankommen, wo laut GPS und Karte die Helberghytta stehen sollte, ist weit und breit nichts davon zu sehen. Erschwerend kommt hinzu, dass es in diesem Gebiet unzählige kleine Senken und Täler hat, die durch vielleicht 20 oder 30m hohe Erhebungen getrennt sind. Dies verunmöglicht, dass man weit sehen kann und es kann deshalb durchaus sein, dass man 100m neben der Hütte steht sie aber schlicht nicht sieht. Das GPS hilft in dieser Situation auch nicht viel weiter da wir die einzige Angabe für den Hüttenstandort aus der Karte haben und dies schlicht zu ungenau ist.
Nach längerer ergebnisloser Suche entschliessen wir uns die Nacht im Zelt zu verbringen, da bereits die Dämmerung einsetzt und der Wind zudem wieder stärker auffrischt. Noch während dem Aufstellen des Zeltes und dem Nachtessen kochen entwickelt er sich wieder zu einem Sturm. Zudem ist es bitter kalt. Wenn wir daran denken, wie es wäre ohne Zelt und ohne warmen Schlafsack, schaudert es uns. Dies könnte durchaus das Ende bedeuten und zwar nicht nur das Ende der Tour... Aber zum Glück sind wir ja entsprechend ausgerüstet.
Zum Dessert gibt es noch wunderbares Polarlicht. Und diesmal ist es mit Garantie Polarlicht: gift-grüne Strahler von unten beleuchten den nördlichen Nachthimmel. Es ist aber so kalt, dass meine Energie lediglich zum Staunen reicht. Für's Fotografieren bleibt nichts mehr übrig, leider.

Tagesleistung: ca. 22 km

Wetter: stark bewölkt am Morgen, Schneesturm unterwegs, am Nachmittag sonnig und am Abend wiederum Sturm und sehr kalt.

 

- Rjukan

Sonntag, 30.März 2003

Die ganze Nacht stürmt es weiter und auch am Morgen ist kein Ende in Sicht. Ein Anruf in der Schweiz (ja, auch das ist Norwegen: Mobile-Empfang in der Pampa, wobei man sich nicht darauf verlassen darf!) ergibt, dass wir uns ziemlich nahe am Zentrum eines Sturmtiefs befinden. Eine rasche Wetterbesserung ist also nicht in Sicht. Da wir aber lediglich noch etwa 10 km vom Ziel Rjukan entfernt sind, beschliessen wir es trotzdem zu wagen.
Im Schneesturm ziehen wir entlang einer Stromleitung los und halten die Richtung mittels GPS. Die Sicht ist gleich Null und wir kommen nur langsam voran. Nach einigen Stunden lässt der Sturm nach und die Wolken reissen auf. Eine wunderbare, frischverschneite Landschaft unter einem stahlblauen Himmel präsentiert sich uns. Gegenüber erhebt sich der Gaustatoppen, der Hausberg von Rjukan. Weit kann es also nicht mehr sein.
Am frühen Nachmittag erreichen wir nach einer kurzen, aber rasanten Abfahrt die Bergstation der Seilbahn (Krossobanen) oberhalb von Rjukan. Als erstes genehmigen wir uns im dortigen Bergrestaurant eine heisse Suppe und lassen die vergangenen Tage nochmals Revue passieren. Das war es dann wohl also, das Abenteuer Hardangervidda.
Ein letztes kleines Abenteuer ist die Fahrt mit der Uraltseilbahn nach Rjukan (gebaut 1928). Im Tal angekommen transportiert ein Taxi uns und unser Gepäck zu einer Hüttensiedlung in Rjukan. Dort gewöhnen wir uns langsam wieder an die Zivilisation...

Tagesleistung: ca. 10km

Wetter: Schneesturm am Vormittag, Sonne am Nachmittag

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Vielen Dank für die Mithilfe.
Letzte Änderung: 23.05.2004, Stefan Küttel