Schon auf der Fähre oder im Flugzeug geht dem
Neuling unter den Korsikareisenden auf: Mit nur einem Besuch auf
dieser Insel ist es nicht getan. Sie ist eben wirklich unvergleichlich
schön, diese Insel, die schon bei den Griechen in der Antike
den Namen kalliste, die Schönste trug. Von Nord nach
Süd nur 183 km lang, keine 90 km breit, gleicht sie eher einem
kleinen Kontinent als einer Insel. 1000 km stark gegliederte Küste
umfassen ein Gebirgsmassiv , in dem keine 30 km vom Meer entfernt
70 Gipfel über 2000 Meter hoch aufragen. Bis in den Juni hinein
liegt hier oben Schnee während das Meer schon mit 20 °C warmem
Wasser zum Baden lockt.
Die regionale Zweiteilung der Insel in die Départements
Haute-Corse und Corse-du-Sud entspricht der geologischen
Gliederung in das Schiefermassiv des Nordostens mit dem Grenzfluss
Tavignano und das Granitmassiv der südlichen Hälfte. Nur
im Osten erstreckt sich eine breite Ebene mit endlos langen Stränden,
sonst steigt das Gelände überall bald steil an.
Das Korsika, wie es die Franzosen 1769 übernommen
haben, muss man sich wohl recht traurig vorstellen. In den Bergen
ein verarmtes Hirtenvolk neben wenigen wohlhabenden Grossbauern,
ein verbreitete Banditenwesen, vornehmlich im Süden erbitterte
Blutrache. Die Tiefebenen hinter den imposanten Zitadellenstädten
der Genueser malariaverseucht: Nur im Winter trieben die Hirten
ihr Vieh dort unten auf die Weide und zogen mit wärmer werdendem
Wetter wieder bergan. Mit Beginn der Landflucht im 19. Jh. leerten
sich die Dörfer, ehemals bewirtschaftete Landflächen verwilderten
und viele Tausende Menschen zogen aufs Festland oder nach Amerika
um dort ihr Glück zu suchen.
Wie die unzähligen Kriegsdenkmäler überall
bekunden, forderten der Erste und die deutsche Besatzungsmacht im
Zweiten Weltkrieg noch einmal grosse Opfer. Von 1890 bis 1950 schrumpfte
die Bevölkerung von über 280 000 auf weniger als 170 000
Menschen. Heute noch ist Korsika die am dünnsten besiedelte
der grossen Mittelmeerinseln. Nach der Befreiung von der deutschen
Besatzungsmacht vertrieben die Alliierten 1944 mit Hilfe von DDT
die Malaria von der Insel. Die so nutzbar gemachten Anbauflächen
sind heute neben dem Tourismus und der in den beiden grossen Städten
angesiedelten Industrien ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
Ins Bergland zurückgezogen, entwickelten die
Korsen keine einheitliche Sprache, bis zu fünfzig verschiedene
Dialekte zählt man. Heute gibt es an der Universität in
Corte ein Projekt zum Entwurf eines vereinheitlichten "Hochkorsisch",
das neben dem Französischen als eigene Schriftsprache etabliert
werden soll. Auch auf anderen Gebieten zeichnet sich für Korsika
eine gewisse Chance ab, zu einer Insel mit relativ eigenständiger
Kultur zusammenzuwachsen. Beharrlich bemühen sich die Politiker
um Zugeständnisse der französischen Zentralregierung und
um die Förderung inseleigener Initiativen. Leider kommt es
auch immer wieder zu gewalttätigen Anschlägen.
Wieso diese Landschaft, ihre Bewohner und das Wetter
nicht einmal auf eine andere Art erleben - mit dem Fahrrad?
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Vielen Dank für die Mithilfe.
Letzte Änderung: 03.10.2009